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In Sachen #NetzFragtMerkel

LeFloid hat vergangene Woche Angela Merkel für ein Videointerview gesprochen und dieses bekanntlich gestern über seinen YouTube-Channel veröffentlicht. Kurz darauf ging natürlich sofort eine Welle der Kritik durch das Netz. LeFloid hätte nicht kritisch genug

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LeFloid hat vergangene Woche Angela Merkel für ein Videointerview gesprochen und dieses bekanntlich gestern über seinen YouTube-Channel veröffentlicht. Kurz darauf ging natürlich sofort eine Welle der Kritik durch das Netz. LeFloid hätte nicht kritisch genug nachgefragt, er hätte sich angepasst, war brav, nickte zu oft, sagte zu häufig „absolut“ und wählte die falschen Fragen auf. Vor der Veröffentlichung durfte er sich mit Vorwürfen herumstreiten, dass er dafür bezahlt würde, die Fragen vorher abstimmen müsste und das Ganze sowieso nur ein Coup der Bundesregierung wäre. Sorry, aber habt Ihr sie eigentlich noch alle?

LeFloid hat nie für sich behauptet, dass er neuerdings als investigativer Journalist unterwegs ist. Das was er macht, ist Entertainment – und vor diesem Hintergrund ist das, was er an politischen Inhalten verpackt, generell durchaus beachtenswert. Mit seinem Interview hat er Aufmerksamkeit für Politik geschaffen, sicherlich auch kurzzeitig etwas mehr Interesse für Politik innerhalb seiner Zielgruppe geweckt.

Diejenigen, die sich heute über die Inhalte seiner Fragen und seine Interviewtechnik beschweren, gehören größtenteils nicht zu seiner Zielgruppe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Personen regelmäßig seine Videos ansehen. Auch ich mache das nicht.

Es wird Zeit, dass wir alle endlich mal aus diesem unsinnigen Kritikmodus herauskommen und etwas mehr Respekt für Menschen zeigen, die etwas einfach machen und ausprobieren. Natürlich hätte er das Interview professioneller aufziehen können, natürlich hätte er etwas gewagter fragen können, doch am Ende wissen wir alle, dass Angela Merkel zu den schwierigsten politischen Interviewpartnern gehört, die es in diesem Land gibt. In der Regel entlockt unserer Bundeskanzlerin niemand etwas, das sie eigentlich nicht sagen wollte. Kritischere, gewagtere Fragen hätten also nichts bewirkt und die Grundstimmung des Interviews sowie die Antwortbereitschaft von Merkel negativ beeinflusst – das ist an dieser Stelle einfach unnötig und für die Zielgruppe von LeFloid auch nicht relevant.

Inzwischen kommt das Interview auf knapp eine Million Aufrufe bei Youtube. Und das ist gut so, denn auf diesem Weg bekommt eine politisch eher schwer zu begeisternde Zielgruppe auch einmal etwas mehr vom politischen Geschehen in Deutschland mit.


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Daniel Fürg absolvierte eine Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk und bildete sich an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing zum Kommunikationswirt fort. Er gründete verschiedene Onlinemedien, wie zum Beispiel MUNICH's BEST, 100SINS oder Social Secrets und arbeitete unter anderem für den Bayerischen Rundfunk, die Finanzsparte von Siemens, die Sana Kliniken AG und die MAROundPARTNER GmbH. Als Geschäftsführender Gesellschafter von Fürg Media berät er heute Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ganzheitlicher Kommunikationsstrategien. Daniel Fürg engagiert sich außerdem aktiv als Mitglied des Vorstands im Internationalen PresseClub München e.V. und ist Initiator der Digital Future Conference 48forward.

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