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So nutzen Brands Tinder als Social Media Plattform

Tinder ist ein Traum. Nicht nur für Singles, die das schnelle Vergnügen oder gar eine Beziehung suchen. Auch für Marketer birgt die Dating-App ein enormes Potenzial. Immerhin tümmeln sich dort 50 Millionen User (Stand Januar

Masson / Shutterstock.com

Tinder ist ein Traum. Nicht nur für Singles, die das schnelle Vergnügen oder gar eine Beziehung suchen. Auch für Marketer birgt die Dating-App ein enormes Potenzial. Immerhin tümmeln sich dort 50 Millionen User (Stand Januar 2015) weltweit herum und das durchschnittlich 90 Minuten täglich. Das bedeutet im Umkehrschluss rein quantitativ, dass insgesamt 21 Milliarden Profile angeschaut („geswiped“) werden und 21 Millionen „Matches“ entstehen. Kein Wunder also, dass bei diesem Volumen nicht nur Single-, sondern auch Marketer-Herzen schneller schlagen.

Was ist Tinder und wie funktioniert es?

Tinder ist eine Dating-App, die im September 2012 in Kalifornien gelauncht wurde. Schon im darauffolgenden Jahr gewannen die vier Erfinder (Sean Read, Justin Mateen, Jonathan Badeen und Dinesh Moorjani) ihre ersten Awards und ein neuer Hype entstand. Denn Tinder hat das Prinzip des Online-Datings neu erfunden: Statt auf endlos lange Persönlichkeits-Analysen setzt die Dating-App auf das Prinzip des „ersten Blicks“. Ein angemeldeter User bekommt das Profil – sprich Fotos! – eines anderen Users zu Gesicht. Gefällt das Profil, wird es nach rechts „geschoben“. Sollte dieses Interesse auf Gegenseitigkeit beruhen, dann informiert Tinder beide User, dass ein Match entstanden ist, und die Chat-Funktion wird freigeschaltet, womit die Cyber-Flirterei beginnen kann, bis sie (hoffentlich) in einem Date endet. Mag man das vorgeschlagene Profil nicht, schiebt man den User nach links und das Profil verschwindet für denjenigen, der es bewertet hat, aus dem Pool der potenziellen Partner.

Und wie könnte es als Marketing-Tool funktionieren?

Statt ein Single-Profil zur Schau zur stellen, erstellt der Marketer ganz klar ein Profil für ein Produkt oder Service. Denn die Zahlen sind verlockend: Theoretisch könnten 50 Millionen User weltweit das Produkt zu Gesicht bekommen und so lange anschauen müssen, bis sie sich entschieden haben, ob sie es nach rechts oder links schieben. Doch ist dem wirklich so? Und vor allem: Erlaubt Tinder Unternehmen, auf der Dating-App Werbung zu schalten? Und wenn ja, was sind die (finanziellen) Konditionen?

Tinder als Marketing Plattform – ja oder nein?

Schon seit Anfang 2014 wird gemunkelt, dass Tinder es Unternehmen erlauben wird, Werbung zu schalten. Immerhin stehen die Unternehmen schon Schlange dafür. Doch Tinder hat ganz klare Regulationen: Werbung ist nicht erlaubt! Weder als Privatperson, noch als Unternehmen oder Werbeagentur kann man auf der App Werbeplätze buchen. Zumindest offiziell und laut AGB! Aber bekanntlich bestätigen ja Ausnahmen die Regel. Und davon gibt es ein paar…

Diese Unternehmen haben es auf Tinder geschafft

In Deutschland war Sixt eines der ersten Unternehmen, das sich an Tinder getraut hat. Das In-house Social Media Team legte unter dem Namen „Sixt“ ein Profil an, das eine Sixt-Mitarbeiterin (24) mit dem Titel „Abschleppdienst“ zeigte und sich selbst als „ein schnelles Abenteuer“ beschreibt. Weiter heißt es in dem Profil: „Ich binde mich auch nie zu lange an einen Partner und verbringe meine Wochenenden gerne auf Tour. Gerne mit dir!“ Mit einer Querverlinkung auf Instagram ging das Profil an einem Wochenende live und überlebte knapp 36 Stunden – bis es von Tinder gesperrt wurde. Ob darüber Mietwagen-Buchungen erreicht wurden, ist unklar, denn ein Tracking kann man nicht einbinden. Aber für die Unternehmens-PR war die Aktion ein gelungener Stunt.

Mit einem ähnlichen Ansatz hat Domino’s UK zum Valentinstag eine Offensive gestartet. Getreu dem Motto „Unsere Pizza gibt dir keinen Korb“ soll die Kampagne über 230.000 Tinder-User erreicht haben.

Neben diesen reinen Produktkampagnen, gibt es auch ernsthafte Offensiven auf Tinder. So haben zum Beispiel Amnesty International Australia oder auch die Einwanderungsbehörde von Irland die Dating-App genutzt um in Australien auf das Thema Zwangsheirat aufmerksam zu machen und in Irland auf Menschenhandel hinzuweisen. Bei beiden Aktionen wird davon ausgegangen, dass es sich um offizielle Kooperationen handelt, die in Zusammenarbeit mit Tinder entstanden sind – im Gegensatz zu den Guerilla-Aktionen von Sixt oder Domino’s UK.

Sein oder Schein: Wie attraktiv ist Tinder als Marketing Plattform wirklich?

Tinder hat auf dem ersten Blick natürlich ein enormes Potenzial. Immerhin sind die Userzahlen enorm und dann sind die User auch noch gezwungen, sich aktiv mit einem Profil beschäftigen zu müssen, da sie entscheiden müssen, ob sie es nach links oder rechts „swipen”. Aber das ist nur der Schein, denn die App verwendet ein Geo-Targeting. Und das beschränkt die Reichweite auf maximal 160 km. Und das ist fast gar nichts – vor allem, wenn man ein „illegales“ Profil anlegt, das nicht von Tinder frei gegeben wurde und somit auch in kürzester Zeit gelöscht wird. Langfristig ist Tinder also keine Plattform, um aktive Social Media Marketing zu betreiben. Ganz im Gegenteil: Werbung auf Tinder ist illegal und treibt lediglich die PR Zahlen nach oben und möglicherweise auch die Anwaltskosten, wenn eine Abmahnung ist Haus flattert. Zumal User, die auf Tinder nach ihrer großen Liebe suchen, sich durchaus von Produktplatzierung belästigt fühlen können.

Gibt es Alternativen?

Das Prinzip von Tinder hat sich natürlich schnell verbreitet. Und somit gibt es einige Apps, die genau diesen Mechanismus aufgegriffen und für andere Verticals jenseits des Datings umgesetzt haben. Eine der etablierten Apps ist zum Beispiel „TheEdit-App“, die sich im Bereich Fashion durchgesetzt hat. Das Prinzip ist ganz einfach: Gefällt dem User das Outfit, das einem gezeigt wird, kann man es direkt in den Einkaufskorb schieben. Toll! Für Endkonsumenten, genauso wie für Marketers, deren Audience sich dort herumtreibt.


Fotoquelle: Masson / Shutterstock.com

 

Ob als Print-Journalistin, Content Managerin, Bloggerin oder Social Media Managerin – die Medienwissenschaftlerin Carsta Maria Müller kennt die deutsche und internationale Medienlandschaft. Denn München ist mittlerweile ihre 4. Wahlheimat, war sie doch vorher in Adelaide, London und New York wohnhaft. Als Head of Content Strategy bei <a href="http://icrossing.de" target="_blank">iCrossing</a> jongliert die Wahlmünchnerin nun nicht mehr nur mit Worten, sondern bringt sie strategisch in die gewünschte Ordnung.

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