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Die unverschämte Unverhältnismäßigkeit der Anderen

Wieso sollten Blogger Geld mit ihren Blogs verdienen? Warum sollte ein Dienst im Internet überhaupt Geld verdienen? Facebook schaltet Anzeigen um sich zu refinanzieren - ist das nicht unverschämt? Google zeigt uns auch ständig diese

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Wieso sollten Blogger Geld mit ihren Blogs verdienen? Warum sollte ein Dienst im Internet überhaupt Geld verdienen? Facebook schaltet Anzeigen um sich zu refinanzieren – ist das nicht unverschämt? Google zeigt uns auch ständig diese nervtötende Werbung an, obwohl wir sie gar nicht sehen möchten. Eine Veranstaltung kostet Eintritt? Sollte das nicht alles umsonst und gratis sein? Sollten wir nicht alle alles ohne Geld bekommen?

Ich entschuldige mich vorab für diesen ungewohnt deutlichen Ton, der nun folgt – das ist normalerweise nicht meine Art, gar nicht. Aber als ich gestern die Kommentare unter dem Blog-Beitrag von Mel gelesen habe, die das Blog GourmetGuerilla betreibt, ist mir tatsächlich die Hutschnur gerissen. Seid Ihr denn alle noch zu retten? Sind wir hierzulande wirklich an einem Punkt angekommen, an dem man sich dafür rechtfertigen muss, dass man mit Arbeit am Ende auch Geld verdient?

Verabschiedet Euch bitte endlich mal von dieser unglaublich unsinnigen Gratis-Kultur. Die Erstellung von Content, egal welcher Art, kostet Zeit und Geld. Dieser Text hier kostet Zeit und damit letztlich auch Geld. Natürlich muss sich nicht alles refinanzieren, aber ab einem gewissen Arbeitsvolumen wäre es unsinnig sich keine Gedanken mehr über Finanzierungsmodelle zu machen. Wie die dann im Einzelfall aussehen, ist ein anderes Thema.

Hierzu ein ganz konkretes Beispiel aus unserem direkten Umfeld: Mit Social Secrets veranstalten wir seit geraumer Zeit in verschiedenen Städten Networking-Events. Los ging das alles im Oktober 2012 in München. Was am Anfang wenig Aufwand war, entwickelte sich schnell zu einer großen Sache. In den ersten zwei Jahren haben wir in der Regel noch nicht einmal Eintritt verlangt. Uns war es wichtig die Szene in den Städten zusammenzubringen, das Networking und den Standort zu fördern.

Ein Event mit bis zu 500 Gästen, verschiedenen Speakern, Technik und einer passenden Location organisiert sich aber nicht von alleine. Je Event sind mindestens drei Monate Vorlaufzeit nötig, wir benötigen Techniker, Equipment und nicht zuletzt eine Marketing-Maschinerie, die dafür sorgt, dass Speaker und Gäste am Ende auch zueinander finden.

Je Event sind das in nicht nur zeitliche Aufwände, sondern auch ganz reale Kosten, die wir zahlen müssen. Hochgerechnet fallen dabei etwa 250 Stunden Aufwand je Event an. Zusätzlich kommen – je nach Größe des jeweiligen Events und der Location – etwa 3.000 bis 5.000 Euro an Kosten auf uns zu. Uns war es Anfangs aber dennoch unangenehm Eintrittsgelder zu verlangen.

Inzwischen haben wir uns dazu entschieden, einen Eintritt zu verlangen. Dieser liegt in der Regel zwischen 10 und 15 Euro pro Person. Damit können wir die Kosten einigermaßen decken, doch es dauerte nicht lange, bis wir hierfür Kritik einstecken mussten. In Hamburg rechnete uns ein Gast freundlicherweise die Eintrittsgelder auf Basis der Gästezahl als Reingewinn aus. In Berlin wollten einige Gäste für das Geld gerne auch Essen und Getränke umsonst bekommen.

Selbstverständlich versuchen wir längst über Sponsoren auch noch etwas zusätzliches Geld zu bekommen, um mehr aus den Veranstaltungen zu machen, um unseren Gästen mehr zu bieten. Gleichzeitig soll das Ganze aber auch nicht zu einer Werbeveranstaltung werden.

Der langen Rede kurzer Sinn: Nur weil irgendwo Geld fließt, heißt das noch lange nicht, dass irgendjemand dadurch reich wird. Nur weil jemand mit irgendetwas Geld verdient, ist er dafür noch lange nicht zu kritisieren – Geld verdienen wir in der Regel schließlich alle irgendwie und diejenigen, die es – aus welchen Gründen auch immer – nicht tun, bekommen ihren Unterhalt ebenfalls durch diejenigen finanziert, die Geld verdienen. Es ist also völlig legitim, wenn jemand mit seiner Arbeit etwas verdient – ganz egal, ob er damit nur die Unkosten decken oder etwas Gewinn erwirtschaften möchte.


Fotoquelle: sheff / Shutterstock.com

 

Daniel Fürg absolvierte eine Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk und bildete sich an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing zum Kommunikationswirt fort. Er gründete verschiedene Onlinemedien, wie zum Beispiel MUNICH's BEST, 100SINS oder Social Secrets und arbeitete unter anderem für den Bayerischen Rundfunk, die Finanzsparte von Siemens, die Sana Kliniken AG und die MAROundPARTNER GmbH. Als Geschäftsführender Gesellschafter von Fürg Media berät er heute Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ganzheitlicher Kommunikationsstrategien. Daniel Fürg engagiert sich außerdem aktiv als Mitglied des Vorstands im Internationalen PresseClub München e.V. und ist Initiator der Digital Future Conference 48forward.

Review overview
  • Pingback: Blogwatch 03/15: Was kostet ein Blog?()

  • Gerhard Bauer

    Niemand muß sich dafür rechtfertigen, daß er Geld verdienen will. Aber wenn jemand die Anschaffungskosten für den Computer als „Unkosten“ für sein Blog angibt und als Freiberufler mit 8.50€ Stundenlohn kalkuliert, dann ist das lächerlich. Man kann auch ein richtig geiles Blog machen, ohne über 1000 Euro im Monat dafür auszugeben.

    • Daniel Fürg

      Schon einmal selbst ein Blog in vergleichbarer Größe geschrieben/betrieben? Soll kein Vorwurf sein, aber das kann man nur dann wirklich beurteilen, wenn man es selbst gemacht hat.
      Die Anschaffungskosten eines PCs würde ich immer dort verbuchen, wofür ich ihn hauptsächlich nutze. Ein Blogger mit dem Arbeitsaufwand von Mel wird seinem PC für andere Zwecke kaum nutzen – oder zumindest nicht mehr als es jeder andere macht, der sich geschäftlich ein Notebook oder einen PC anschafft. Warum sollte das dann also nicht auch in den Unkosten auftauchen?

      • Gerhard Bauer

        Ich habe vor ca. 10 Jahren mit dem Bloggen angefangen und betreibe momentan ein Blog mit 3000 Page Impressions pro Monat auf dem über 220 Artikel veröffentlicht sind, obwohl ich währenddessen immer Vollzeit gearbeitet habe. Mir ist durchaus bewusst, was es bedeutet ein Blog in dieser Größe zu betreiben. Natürlich nehme ich auch alles in meine Betriebsausgaben, was geht. Aber kein Mensch hat eine Internetanschluss, weil er ein Blog betreibt. Es hat auch niemand behauptet, daß es einfach ist, damit Geld zu verdienen. Ich halte das sogar für nahezu unmöglich. Denn alle diese sogenannten Blogger, die wirklich was verdienen, sind keine Blogger mehr, sondern Reklamesendungen auf zwei Beinen. Wenn sie das so wollen – bitteschön. Aber dann bitte nicht rumheulen.

    • http://www.outdoor-blog.com/ Dennis | Outdoor-Blog.com

      Also ich finde 8,50€ noch viel zu wenig. Ich würde als Selbstständiger mit guter Auslastung immer meinen Stundenlohn gegenrechnen, wenn es mir ums Geld gehen würde.
      Ich blogge meist aus Spaß an der Sache. Wenn mich aber jemand fragt, ob ich sein Produkt vorstellen oder testen möchte, dann schlägt das auch gerne mal mit 300€ zu Buche, da ich es durchaus als Arbeit ansehe einen Testbericht zu schreiben.

      Es gibt durchaus das Potenzial auch in Deutschland mehrere Tausend Euros mit einem Blog zu verdienen. Allerdings ist das dann auch ein Knochenjob. Und dieser wird dann eben auch bezahlt.

    • http://fitnesstrainer.expert/ Peter Dworak

      Man kann jetzt lange hin und her diskutieren welche Investition verhältnismäßig ist oder nicht. Der Erfolg/Gewinn gibt einem schließlich Recht! Und als Freiberufler oder
      Selbständiger kann ich die Kosten für den Computer laut AfA 3 Jahre lang in der
      Einkommensteuererklärung gelten machen. Es gilt die Gewinnerzielungsabsicht und
      da kann ich so viel investieren wie ich will! http://goo.gl/En49c5

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