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So wird Digital 2015

Das vergangene Jahr war ein turbulentes - auch im Hinblick auf den digitalen Teil unseres Lebens. Gerade in Deutschland hatten wir immer wieder eine schwierige Mischung aus Grundlagenforschung und vermeintlichem Expertenwissen, die am Ende meist doch

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Das vergangene Jahr war ein turbulentes – auch im Hinblick auf den digitalen Teil unseres Lebens. Gerade in Deutschland hatten wir immer wieder eine schwierige Mischung aus Grundlagenforschung und vermeintlichem Expertenwissen, die am Ende meist doch zu Ernüchterung führte. Mit 2015 steht uns nun ein neues Jahr bevor, 365 Tage, an denen sich einiges tun wird, an denen wir viele Veränderungen und spannende Entwicklungen erleben werden. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle wieder meine ganz persönliche Prognose für das neue Jahr abgeben – in der Hoffnung, dass ich im Rückblick erneut weitestgehend richtig liege.

Was wird sich in Bezug auf die digitale Kommunikations- und Marketingstrategie von Unternehmen im kommenden Jahr also verändern? Ich bin fest davon überzeugt, dass Foto und Video in den nächsten kommenden Monaten eine weitaus größere Rolle spielen werden als bisher. Zum einen pusht Facebook seine Video-Funktionen weiterhin massiv und entwickelt sich dadurch zu einem immer ernsteren Konkurrenten für YouTube. Zum anderen ist die Interaktionsrate auf Instagram – aber zum Beispiel auch bei der deutschen Konkurrenz EyeEm – so hoch, dass es sich Unternehmen künftig kaum mehr erlauben können, auf Fotokanäle dieser Art zu verzichten. Beide Medientypen sind zudem auch für die mobile Nutzung sehr attraktiv und diese wird ohnehin immer wichtiger, um potenzielle oder bestehende Kunden zu erreichen.

Mobile wird also ein großes Thema bleiben und sich in diesem Jahr massiv weiterentwickeln. Local Marketing wird dabei vor allem für standortbezogene Maßnahmen eine wichtige Sache – die technischen Möglichkeiten sind hierfür immer ausgereifter und werden in 2015 ein ganz neues Level erreichen. In diesem Zusammenhang werden auch Wearables ihren Platz einnehmen. Spätestens nach der Markteinführung der Apple Watch werden wir erleben, wie sich rund um diese vergleichsweise neue Produktkategorie ganz neue Ansätze entwickeln werden und Wearables tatsächlich in unser aller Alltag ankommen.

Generell werden Marketing und Kommunikation in 2015 noch individueller, noch stärker auf kleinere Zielgruppen abgestimmt. Der genaue Standort, und damit ist eine Eingrenzung auf bis zu 50 Meter rund um einen Shop, ein Event oder einer anderen relevanten Lokalität gemeint, der jeweiligen Zielpersonen wird dabei durch die Mobile-Entwicklung zu einem wichtigen Faktor. Der klassische Point of Sale wird deutlich digitaler werden als er es heute ist.

Ansonsten ist es wohl kein Geheimnis, dass Facebook die organische Reichweite von Facebook Pages immer weiter – und tatsächlich auch logisch nachvollziehbar – optimieren wird. Werbende Beiträge werden also ohne Anzeigenschaltung nicht mehr funktionieren. Guter, relevanter Content hingegen bleibt weiterhin das Mittel der Wahl – allerdings wird auch dieser bezahlte Reichweite benötigen, um funktionieren zu können. Mit seinem eigenen Ad-Netzwerk wird das Social Network außerdem zu einer stärker werdenden Konkurrenz für Google. Dieser Prozess wird allerdings schleichend voranschreiten, bis wir auf einmal feststellen werden, dass die beiden Giganten in diesem Bereich gleichauf sind. Facebook wird diesen Entwicklungsprozess ohne großes Tamtam, ohne große Aufmerksamkeit durchlaufen.

Wenn Twitter alles richtig macht, wird es 2015 auch endlich in Deutschland Fuß fassen können. Mit dem neuen Team vor Ort dürfte der Grundstock hierfür gelegt sein. Man darf also gespannt sein, wie sich die Nutzung hierzulande entwickeln wird. Dabei wird schnell klar werden, ob wir Deutschen wirklich nicht verstehen, wie wir den Kurznachrichtendienst nutzen sollen oder ob es tatsächlich an der zuvor recht schwachen Deutschlandpräsenz des Dienstes lag.

Es wird also ein rund um spannendes, interessantes Jahr. Deutschland hat die Chance, endlich die digitale Vorschule zu verlassen und endlich ein ganzheitliches Bild zu Marketing und Kommunikation zu erlangen. Die Zeiten von Kleinteiligen Strategien ohne Zusammenhang sollten spätestens in diesem Jahr vorbei sein – aber diese Hoffnung hatte ich tatsächlich auch schon im vergangenen Jahr.


Fotoquelle: igor.stevanovic / Shutterstock.com

 

Daniel Fürg absolvierte eine Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk und bildete sich an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing zum Kommunikationswirt fort. Er gründete verschiedene Onlinemedien, wie zum Beispiel MUNICH's BEST, 100SINS oder Social Secrets und arbeitete unter anderem für den Bayerischen Rundfunk, die Finanzsparte von Siemens, die Sana Kliniken AG und die MAROundPARTNER GmbH. Als Geschäftsführender Gesellschafter von Fürg Media berät er heute Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ganzheitlicher Kommunikationsstrategien. Daniel Fürg engagiert sich außerdem aktiv als Mitglied des Vorstands im Internationalen PresseClub München e.V. und ist Initiator der Digital Future Conference 48forward.

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