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Die Utopie des David Cameron

Ich bin verabscheue Terrorismus und würde sicherlich vieles dafür unternehmen, um ihn verhindern zu können, wenn ich die Möglichkeit dazu hätte. Doch die Vorstellung meine demokratischen Freiheiten, die von den Generationen vor mir erkämpften Privilegien

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Ich bin verabscheue Terrorismus und würde sicherlich vieles dafür unternehmen, um ihn verhindern zu können, wenn ich die Möglichkeit dazu hätte. Doch die Vorstellung meine demokratischen Freiheiten, die von den Generationen vor mir erkämpften Privilegien für einen Kampf gegen den Terror aufzugeben, wirkt in meinen Augen geradezu absurd. Wenn wir uns zu einem Überwachungs- und Polizeistaat entwickeln, haben wir den Terroristen genau das gegeben, was sie erreichen wollten. Sie hätten unsere Freiheit zerstört, hätten uns unterdrückt und einmal so richtig gezeigt, wer auf dieser Welt das Sagen hat.

Wenn der britische Premierminister David Cameron in diesen Tagen sagt, dass er Verschlüsselungstechnologien gerne verbieten würde, um sein Land vor Terrorismus zu schützen, sind wir genau an einem solchen Punkt angekommen. Für diese Argumentation gibt es gleich eine Reihe von Herleitungen, eine Vielzahl von Erklärungen. Die Idee des Internets war nicht die eines Käfigs, sondern eines freien, lebendigen Netzwerkes, das sich um die ganze Welt spannt. Würden wir damit beginnen, einzelne Technologien darin zu verbieten – und das auch noch auf Landesebene – wäre dieses lebendige und offene Netzwerk Geschichte.

Zur Umsetzung eines Verbots von Verschlüsselungstechnologien wäre eine Vielzahl von Überwachungsmechanismen nötig. Der gesamte Internettraffic in Großbritannien müsste nach entsprechenden Auffälligkeiten gescreent werden. Sagt Cameron also, dass für eine Überwachung immer ein richterlicher Beschluss nötig wäre, ist das also eine glatte Lüge. Die britische Regierung müsste ähnliche Filter und Netzwerksperren einrichten, wie sie zum Beispiel in China schon lange üblich sind, um Inhalte, die aus Regierungssicht unpassend sind, für chinesische Bürger zu sperren. Internetnutzer in Großbritannien hätten dann also nur noch auf ein von der Regierung zensiertes Internet Zugriff.

Ein weitere nötiger Schritt wäre ein Gesetz, das Hersteller von Hard- und Software dazu verpflichten würde, entsprechende Verschlüsselungssoftware zu blockieren. Das wäre in der Theorie natürlich möglich, in der Praxis aber vollkommener Irrsin – vor allem auch, weil so etwas in quelloffenen Systemen niemals umsetzbar wäre.

Die Konsequenz daraus wäre, dass Systeme entweder eine Hintertür für die Regierung einbauen müssten oder komplett verboten würden. Dass Hintertüren alle Systeme natürlich auch für Hacker und andere Schädlinge angreifbar machen, ist noch einmal ein ganz eigenes Thema. Unternehmen mit Sitz in Großbritannien, die Verschlüsselungstechnologie herstellen, müssten selbstverständlich schließen. Suchmaschinen dürften keine Informationen mehr über solche Technologien ausgeben und selbstverständlich müssten auch alle Lieferungen aus dem Ausland auf entsprechende Technologie untersucht werden. Würde man die Idee von Cameron komplett konsequent durchziehen, müssten alle Gäste in Großbritannien alle Geräte, die potenziell Verschlüsselungstechnologie nutzen könnte, an der Grenze abgeben.

Wie hört sich das an? Für mich klingt das nach einer Diktatur, nach einem anti-demokratischen System, das dem in Staaten gleicht, die wir als rückständig, als gefährlich einordnen. So etwas können wir nicht wollen – erst recht nicht in Europa.


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Daniel Fürg absolvierte eine Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk und bildete sich an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing zum Kommunikationswirt fort. Er gründete verschiedene Onlinemedien, wie zum Beispiel MUNICH's BEST, 100SINS oder Social Secrets und arbeitete unter anderem für den Bayerischen Rundfunk, die Finanzsparte von Siemens, die Sana Kliniken AG und die MAROundPARTNER GmbH. Als Geschäftsführender Gesellschafter von Fürg Media berät er heute Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ganzheitlicher Kommunikationsstrategien. Daniel Fürg engagiert sich außerdem aktiv als Mitglied des Vorstands im Internationalen PresseClub München e.V. und ist Initiator der Digital Future Conference 48forward.

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