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Die deutsche Kultur der Bedenkenträger

"Hat das schon einmal jemand gemacht? War das erfolgreich?" oder "Haben Sie Zahlen, um diese Idee zu untermauern? Bringt uns das denn etwas?" hört man in deutschen Unternehmen nur allzu oft, wenn es um digitale

Ollyy / Shutterstock.com

„Hat das schon einmal jemand gemacht? War das erfolgreich?“ oder „Haben Sie Zahlen, um diese Idee zu untermauern? Bringt uns das denn etwas?“ hört man in deutschen Unternehmen nur allzu oft, wenn es um digitale Strategien und Innovationen für Marketing oder Kommunikation geht. Wir Deutschen wollen keine Risiken eingehen, wollen für alles, das wir tun, eine Absicherung haben. Die kann es in digitalen Medien aber vielerorts gar nicht geben, denn Erfahrungswerte aus den letzten 50 Jahren existieren hier ganz einfach nicht. Wer hier erfolgreich sein möchte, muss Pioniergeist beweisen, muss sich auch einmal etwas trauen, ein Risiko eingehen – doch damit kann man hierzulande nur sehr selten umgehen.

Wer in einem größeren Unternehmen eine Idee für einen neuartigen digitalen Marketingansatz hat, muss erst einmal eine Vielzahl von Hürden überwinden, bis er ernsthaft über eine Umsetzung nachdenken kann. Von Seiten des Marketingleiters oder Geschäftsführers kommt schnell die Frage nach dem Sinn und Nutzen auf – wirkt sich das positiv auf das Geschäftsergebnis aus? Können wir den Erfolg messen? Hat man diese Hürde mit irgendwelchen kreativ hingebogenen Zahlen und Statistiken überwunden, schreit schnell der interne Datenschützer auf: „Sind die Daten der Kunden sicher? Dürfen wir das überhaupt?“

Neben diesen beiden Beispielen tauchen schnell eine Reihe weiterer Bedenkenträger auf. Die Kommunikationsabteilung wird über Kompetenzen diskutieren wollen und die klassischen Marketer würden die Idee gerne für sich beanspruchen – aber natürlich nur dann, wenn sie auch wirklich funktioniert. Und dann kommt natürlich noch die Rechtsabteilung, die sicherlich auch noch das eine oder andere an dem Konzept auszusetzen hat – selbst dann, wenn Probleme nur in einer sehr weit hergeholten Theorie auftauchen könnten.

Selbst wenn es in einem Unternehmen also einen findigen Mitarbeiter gibt, der Digital Media verstanden hat und daraus die richtigen Schlüsse für Marketing oder Kommunikation ableitet, wird er in Deutschland schnell ausgebremst. Wir wundern uns oftmals, warum wir bei digitalen Strategien hierzulande weit hinter den USA oder auch UK zurückliegen, doch die Erklärung ist eigentlich ganz einfach: Das Grundsetup in deutschen Unternehmen funktioniert lediglich für langsame Entwicklungen, nicht aber für schnelle, agile Veränderungen. Wenn wir das ändern möchten, muss auf vielen Ebenen umgedacht werden.


Fotoquelle: Ollyy / Shutterstock.com

 

Daniel Fürg absolvierte eine Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk und bildete sich an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing zum Kommunikationswirt fort. Er gründete verschiedene Onlinemedien, wie zum Beispiel MUNICH's BEST, 100SINS oder Social Secrets und arbeitete unter anderem für den Bayerischen Rundfunk, die Finanzsparte von Siemens, die Sana Kliniken AG und die MAROundPARTNER GmbH. Als Geschäftsführender Gesellschafter von Fürg Media berät er heute Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ganzheitlicher Kommunikationsstrategien. Daniel Fürg engagiert sich außerdem aktiv als Mitglied des Vorstands im Internationalen PresseClub München e.V. und ist Initiator der Digital Future Conference 48forward.

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