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Der Megatrend 2015: Menschen

Das Jahr ist schon im vollen Gange und trotzdem poppen noch allerorts Prognosen und die alljährlichen Trendanalysen auf. Zeit, einen kritischen und persönlichen Blick auf die größeren Themen zu werfen und ein wenig zu relativieren. Technologie

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Das Jahr ist schon im vollen Gange und trotzdem poppen noch allerorts Prognosen und die alljährlichen Trendanalysen auf. Zeit, einen kritischen und persönlichen Blick auf die größeren Themen zu werfen und ein wenig zu relativieren.

Technologie ja, Menschen zweitrangig

Es würde mich ja freuen, in diesen Glaskugelartikeln auch nur einmal ein Wort über Mitarbeiterentwicklung, neue Skills, flexible Modelle oder neue Führungsmodelle zu lesen. Da traut sich aber keiner so richtig ran – sind diese Dinge doch nicht so schön plakativ wie ein „Die Cloud kommt – Endlich auch in Deutschland!“ oder „Digital Transformation – jetzt packen wirs an!“. Ich bleibe der Überzeugung, dass wir uns in fast jedem Bereich zu 80% auf Technologie konzentrieren und nur zu 20% auf Kultur und Prozesse. Dabei sollten Unternehmen, die den Wandel ernstnehmen, genau andersrum agieren. Wenn Ängste und antiquierte Prozesse die Nutzung neuer Technologien unterbinden und deren Adoption verlangsamen, kann man nur der technologischen Entwicklung hinterherlaufen. Und dass wir besonders in Deutschland ein gehöriges Problem damit haben, Schritt zu halten, lässt sich auch mit Meta-Themen wie Industrie 4.0 nicht kaschieren. Die grassierende Neophobie fordert jetzt schon Opfer.

Neue Trends, wo seid ihr?

HANA, IoT, Mobile, Big Data: Wenn es soetwas wie einen Grand Prix der Trends der letzten Jahre gäbe – diese Buzzwords würden alles abräumen. Und jedes Jahr die gleiche Leier: Das wird dieses Jahr total abheben und man kann dann damit endlich Wertschöpfung betreiben. Das ist in vielen sehr spezifischen Bereichen auch der Fall, aber als Wunderheilmittel sollten diese Dinge nicht gelten. Solche Technologien sind eher mit den Nadelstichen bei der Akupunktur zu vergleichen: Deren punktueller Einsatz in einem größeren Konzept kann durchaus Linderung, ja wenn nicht sogar Heilung von Problematiken versprechen. Aber Innovation und Gespühr für die Zukunft braucht mehr als nur ein technologisches Gerüst.

Mein Lieblingstrend 2015

Ich hätte da einen tollen Trend für 2015: Menschen und Empathie. In der Praxis heisst das, dass Mitarbeiter befähigt werden Ihren Job effizient zu tun und nicht in vorgepresste Förmchen gequetscht werden. Dazu gehört, zum Beispiel, die teilweise versteinerten Applikationslandschaften mit Fokus auf Usability und Einfachheit zu überholen und für unterschiedliche Endgeräte zu öffnen. Das hört sich wieder nach Beratersprüchen an, weshalb ich es ganz konkret und aus eigener Erfahrung erklären möchte:

Wenn Ihr Konzern den vielversprechenden CMO-Kandidaten aus der Agenturwelt trotz tollen Boni nicht von sich überzeugen kann, weil dieser kein hässliches Thinkpad mit Windows mit sich rumschleppen möchte, sondern aus der Apple-Welt kommt – dann sehen Sie das Problem mit den Talenten vielleicht auch einmal aus einem anderen Blickwinkel.

Gar nicht auszudenken, wenn dieser Kandidat zudem noch effizientes Arbeiten in der Cloud gewöhnt ist, schnelle Feedbackprozesse gewöhnt ist und hier und da auch mal vom Home Office aus arbeiten möchte. Fakt ist, dass viele der hochqualifizierten Talente diese Freiheiten einfordern und deshalb lieber zu Startups und kleineren Unternehmen gehen, als in die graue Corporate-Welt einzusteigen. Es herrscht (noch) keine Knappheit an Talenten – es herrscht eine Knappheit an ansprechenden Arbeitsumgebungen für eine neue Generation von Wissensarbeitern. In diesem Sinne: Auf ein empathisches 2015!


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Christoph Bauer beschäftigt sich seit sechs Jahren mit Themenfeldern rund um das Social Business. Er arbeitet bei <a href="http://www.de.capgemini-consulting.com/" target="_blank">Capgemini Consulting</a> als Experte für Enterprise 2.0 und unterstützt die Berater in der DACH-Region bei der Implementation neuer kollaborativer und kommunikativer Technologien in interne und kundenseitige Prozesse.

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