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Denunziation 2.0 für Dummies

In dieser ruhigen Vorweihnachtszeit hatte ich ja wirklich ein wenig Angst. Angst davor, dass bis zum Jahreswechsel in diesem großen weiten Internet nichts spannendes mehr passieren würde. Eigentlich hätte ich aber wissen müssen, dass Social-Media-Anfänger-Deutschland

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In dieser ruhigen Vorweihnachtszeit hatte ich ja wirklich ein wenig Angst. Angst davor, dass bis zum Jahreswechsel in diesem großen weiten Internet nichts spannendes mehr passieren würde. Eigentlich hätte ich aber wissen müssen, dass Social-Media-Anfänger-Deutschland gar nicht anders kann, als selbst kurz vor Weihnachten noch einmal den Vogel abzuschießen. Hierzulande hat man jetzt nämlich die Möglichkeiten der Facebook-Suche für sich entdeckt. Ja, genau diejenigen Möglichkeiten, die anderswo schon seit fast zwei Jahren bekannt sind.

Social-Media-Deutschland hat herausgefunden, dass man recherchieren kann, welche Seiten andere Facebook-Nutzer im eigenen Netzwerk mit einem Like versehen haben. Klar, dass man damit auch politische Gesinnungen, sexuelle Vorlieben oder gar rassistische Prägungen enttarnen kann. So ein „Gefällt mir“ auf Facebook gleicht schließlich einem Parteieintritt, einem echten Bekenntnis der Unterstützung gleich welcher Gruppierung auch immer.

So kommt es nun als, dass es da draussen eine ganze Reihe Facebook-Nutzer gibt, die in widerwärtigster Denunzianten-Manier nach Kontakten suchen, die bestimmte Seiten mit diskutablem Hintergrund mit einem „Gefällt mir“ gewürdigt haben. Verständlich, dass man die gefundenen Personen dann auch gleich an den eigenen Facebook-Pranger stellt, sie quasi outet und für ihr Like kritisiert.

Wahnsinn. Der Glühwein zur Adventszeit scheint Euch wirklich nicht zu bekommen. Geht raus, genießt das warme Wetter, kauft Weihnachtsgeschenke, geht mit dem Dackel Eurer Nachbarn spazieren oder macht sonst irgendetwas, wovon Ihr Ahnung habt. Aber bitte lasst die Finger von Facebook, sonst blamieren wir uns als Social-Media-Entwicklungsland in den letzten Tagen vor Weihnachten noch einmal. Es reicht ja schon, dass auch in diesem Jahr wieder all diese wahnsinnig kreativen Adventskalender auf Euren Facebook Pages unterwegs sind. Noch mehr Skandale können wir uns nicht leisten…


Fotoquelle: Thinglass / Shutterstock.com

 

Daniel Fürg absolvierte eine Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk und bildete sich an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing zum Kommunikationswirt fort. Er gründete verschiedene Onlinemedien, wie zum Beispiel MUNICH's BEST, 100SINS oder Social Secrets und arbeitete unter anderem für den Bayerischen Rundfunk, die Finanzsparte von Siemens, die Sana Kliniken AG und die MAROundPARTNER GmbH. Als Geschäftsführender Gesellschafter von Fürg Media berät er heute Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ganzheitlicher Kommunikationsstrategien. Daniel Fürg engagiert sich außerdem aktiv als Mitglied des Vorstands im Internationalen PresseClub München e.V. und ist Initiator der Digital Future Conference 48forward.

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