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Kommt von Eurem hohen Ross herunter!

Im Vergleich zu vielen anderen Ländern, insbesondere den USA und Großbritannien, hängen wir in Deutschland in Sachen digitaler Kommunikation und digitalem Marketing noch weit zurück. Viele Unternehmen stecken hier immer noch in den Kinderschuhen und

Photodune / Ollyi

Im Vergleich zu vielen anderen Ländern, insbesondere den USA und Großbritannien, hängen wir in Deutschland in Sachen digitaler Kommunikation und digitalem Marketing noch weit zurück. Viele Unternehmen stecken hier immer noch in den Kinderschuhen und lernen gerade erst das Laufen. Unterhält man sich auf Veranstaltungen aber mit sogenannten Social-Media-Experten, könnte man meinen, dass sie Social Media erfunden und Mark Zuckerberg, Evan Williams, Jack Dorsey, Biz Stone, Noah Glass und vermutlich sogar Larry Page und Sergey Brin einst Nachhilfe gegeben haben.

Ich finde das erschreckend und verwirrend zugleich. Wenn all diese Experten tatsächlich solch großartige Arbeit leisten würden, wäre Deutschland in Sachen Digital Media sicherlich einen großen Schritt weiter – ist es aber nicht. Und selbst wenn diese Experten verstanden hätten, worum es am Ende des Tages wirklich geht, heißt das noch lange nicht, dass sie es auch umsetzen können oder gar bereits umgesetzt haben.

Wirklich verstanden haben es nur Unternehmen, die in Sachen Social Media eine Community aufgebaut haben, die mit dem Unternehmen interagiert – und zwar regelmäßig und nicht nur 1 Prozent der gesamten Community. Verstanden haben es nur diejenigen, die den dafür nötigen Content kreieren, die richtigen Diskussionen anstoßen, zulassen und führen. Und selbst wenn das alles funktioniert, haben es nur diejenigen wirklich verstanden, die zusätzlich auch noch mit Social Media Advertising, Monitoring und Analytics umgehen und daraus die passenden Schlüsse ziehen können.

Ich kenne von diesen Unternehmen nur sehr wenige, die ich an meinen beiden Händen und Füßen abzählen kann. Experten, die dieses umfassende Wissen wirklich verstanden haben, kenne ich tatsächlich ein paar mehr, aber nicht ausreichend viele, dass sie dieses flächendeckende Experten-Aufgeplustere wirklich rechtfertigen würden. Abgesehen davon gehört es übrigens auch zu der nötigen Kompetenz, dass man die nötigen Entscheider in einem Unternehmen von der Notwendigkeit von Social Media überzeugen kann. Schließlich nützt all die potenzielle Kompetenz nichts, wenn sie nicht ausreicht, um andere Menschen davon zu begeistern – wie sollte man schließlich eine Social-Media-Strategie aufsetzen und umsetzen, wenn man nicht einmal nachhaltig aufzeigen kann, warum man sie überhaupt benötigt?

Solange Deutschland in Sachen Digital Media nicht besser dasteht, sollten wir uns also alle in Demut üben und uns eher Gedanken darüber machen, wie wir den aktuellen Zustand verändern können, statt mit Arroganz und Experten-Gehabe voranzuschreiten. Kommt endlich von Eurem hohen Ross herunter!


Fotoquelle: Photodune / Ollyi

Daniel Fürg absolvierte eine Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk und bildete sich an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing zum Kommunikationswirt fort. Er gründete verschiedene Onlinemedien, wie zum Beispiel MUNICH's BEST, 100SINS oder Social Secrets und arbeitete unter anderem für den Bayerischen Rundfunk, die Finanzsparte von Siemens, die Sana Kliniken AG und die MAROundPARTNER GmbH. Als Geschäftsführender Gesellschafter von Fürg Media berät er heute Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ganzheitlicher Kommunikationsstrategien. Daniel Fürg engagiert sich außerdem aktiv als Mitglied des Vorstands im Internationalen PresseClub München e.V. und ist Initiator der Digital Future Conference 48forward.

Review overview
  • Armin Muthig

    WORD.
    Ich kann dem nur zustimmen. Das schlimme, wie ich finde, ist, dass diese aufgeblusterten Spezialisten ihr „UNWISSEN“ auch noch als „Heilige Schrift“ weiter geben und wissbegierige auf ihren Trampelpfad locken.
    Ein autodidaktisches Arbeiten ist nicht die Regel. Stattdessen wird darauf gehofft, dass Erfahrungen anderer auf die eigene Situation eintreffen. Was aber dann eintrifft ist nicht das ultimative Ergebniss, wird aber als solchens emporgehoben.
    Vor allem kleinen Gewerbetreibenden wird regelrecht das Geld aus der Tasche gezogen. Das was aber als Gegenleistung geboten wird, kann aber keinesfalls als Social Media Marketing betitelt werden. Ich nenne das Betrug am Kunden.

  • Holger Esseling

    Guter Beitrag. Das bringt es auf den Punkt. Ohne Gespräche, also beidseitige Beteiligung oder Community, sind Social Media und SEO nur Marktschreierei. Funktioniert zwar auch seit Jahren, aber zuhören, ernst nehmen und sprechen sind doch in vielen Bereichen überlegen…

  • Harald Schirmer

    „überhebliche“ SocialMedia Experten? – Es ist doch in der Tat ein Trauerspiel wie wenig unser Management in den Firmen die Zeichen der Zeit erkennen – die bekommen große Gehälter um den Markt zu beobachten und Weichen zu stellen. Nicht die Fachleute sind die Veränderer – sondern Berater…
    Die Veränderung zu planen und professionell ins Unternehmen zu bringen (dies zu begleiten) – ist wiederum der Job von Change Management.
    Vielleicht kenne ich nur den Auslöser dieses Artikels nicht – aber in all den Konferenzen überwiegt fragende Hilflosigkeit…
    Dann sollte man auch die Mengenverhältnisse im Auge haben – hier sind etwa 100 wirklich aktive unterwegs – die teilweise Firmen(Schiffe) mit über 100.000 Mitarbeitern (auch die Altersverteilung nicht vergessen!) verändern müssen- die können jede Hilfe brauchen – speziell die Medien waren hier bisher eher kontraproduktiv.