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Die Vernetzung der Kommunikation

Wer mit einem Herzleiden zu einem Kardiologen geht, eigentlich aber auch einen gefährlichen Hirntumor hat, wird seine augenscheinlich akuten Beschwerden wohl recht schnell los, früher oder später aber wahrscheinlich dennoch sterben. So überspitzt sich dieses Beispiel im

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Wer mit einem Herzleiden zu einem Kardiologen geht, eigentlich aber auch einen gefährlichen Hirntumor hat, wird seine augenscheinlich akuten Beschwerden wohl recht schnell los, früher oder später aber wahrscheinlich dennoch sterben. So überspitzt sich dieses Beispiel im Bereich der Medizin anhört, so real ist es im Bereich der Kommunikation. Die ganzheitliche Bearbeitung der Kommunikation eines Unternehmens sollte hier immer im Vordergrund stehen. Kommunikationsinseln ohne Brücken kann sich in der heutigen Zeit kein Unternehmen mehr leisten.

Als dieses Internet groß wurde, tauchten mit einem Schlag überall in der Republik Spezialagenturen auf. Diese abwechselnd größeren und kleineren, kompetenteren und weniger kompetenten Agenturen haben sich ausschließlich auf Online fokussiert. Sie waren der Meinung, dass alles klassische der Vergangenheit angehört und künftig alles nur noch digital im Netz stattfinden wird. Ähnlich war es ein paar Jahre später als Social Media in unseren Alltag einzogen. Alle wollten auf einmal mit ihrem Unternehmen auf Facebook aktiv werden und jene, die das nicht wollten, wurden von mal guten und mal weniger guten Social-Media-Beratern davon überzeugt – ganz egal, ob ein solches Engagement in der vorgeschlagenen Art und Weise tatsächlich einen Sinn und Nutzen ergeben hat oder nicht.

Was wir daraus lernen? Immer dann, wenn eine grundlegend neue Art der Kommunikation entsteht, herrscht in Sachen Kommunikation und Marketing eine regelrechte Goldgräberstimmung. Jeder möchte etwas von dem großen, neuen und kalorienhaltigen Kuchen abhaben, jeder fühlt sich plötzlich zum Experten in dieser neuen Kommunikationsform berufen. Das hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten wunderbar geklappt. In dieser Zeit konnte unglaublich viel Geld verdient werden – auch mit erschreckend schlechter Qualität.

Was leider allzu oft vergessen wurde: Die Verbindung zu den bestehenden Kommunikations- und Marketingkanälen. Es wurden digitale Inseln geschaffen, die völlig abgeschottet von den restlichen Aktivitäten eines Unternehmens etabliert wurden. Diese Inseln funktionierten Anfangs sogar recht gut, sind inzwischen aber längst nicht mehr tragbar. Die Flut an Informationen, die tagtäglich auf eine Zielgruppe einströmt darf nicht durch inkonsistente jeweils kanalabhängige Ansätze ausgeweitet werden. Wer in dieser Flut bestehen möchte, muss sich mit ganzheitlichen Ansätzen beschäftigen, muss ein eineitliches Bild über die Kanäle hinweg zeigen – ganz egal, ob klassisch oder digital.

Selbstverständlich muss der jeweilige strategische Ansatz für die einzelnen Kanäle entsprechend individuell adaptiert werden, aber die Grundidee sollte immer das gleiche Ziel, die selben Botschaften verfolgen. Es ist also die große Stunde ganzheitlicher Agenturen angebrochen, die Kompetenzen in allen Kommunikationsdisziplinen und -kanälen unter einem Dach vereinen – oder zumindest ein eng miteinander verwobenes Netz an kompetenten Partnern haben.

Schließlich ist ein Restaurant mit einer guten Pizza noch lange kein gutes italienisches Restaurant. Das Gesamtbild muss stimmen, die Ganzheitlichkeit gewährleistet sein. Wer heute immer noch verschiedene Agenturen für die verschiedenen Kanäle und Disziplinen beschäftigt, diese aber nicht miteinander reden, sollte dringend umdenken. Der Idealzustand sollte die Beschäftigung einer einzigen Agentur mit ganzheitlicher Kompetenz sein. Diese kann sich gerne weitere Partner an Bord holen, aber die Strategieverantwortung muss unter einem Dach gebündelt von einem Agenturpartner koordiniert werden.

Wer weiterhin anders handelt, wird nicht nur eine Menge Geld aus dem Fenster werden, sondern auch seine Kommunikationsziele meilenweit verfehlen. Ähnlich dem Grundgedanken der Globalisierung müssen auch in der Kommunikation die Potenziale der bisher voneinander getrennten Inseln gebündelt werden. Eine Welt, in der wir von allen anderen Staaten abgeschottet sind, wäre heute schließlich auch nicht mehr vorstellbar.

Nach der digitalen Revolution folgt nun also endlich die längst überfällige nächste Evolutionsstufe der Kommunikation: Die der engen Vernetzung der einzelnen Disziplinen und Kanäle sowie die Zeit der engen Abstimmung mit allen Marketingaktivitäten.

Daniel Fürg absolvierte eine Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk und bildete sich an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing zum Kommunikationswirt fort. Er gründete verschiedene Onlinemedien, wie zum Beispiel MUNICH's BEST, 100SINS oder Social Secrets und arbeitete unter anderem für den Bayerischen Rundfunk, die Finanzsparte von Siemens, die Sana Kliniken AG und die MAROundPARTNER GmbH. Als Geschäftsführender Gesellschafter von Fürg Media berät er heute Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ganzheitlicher Kommunikationsstrategien. Daniel Fürg engagiert sich außerdem aktiv als Mitglied des Vorstands im Internationalen PresseClub München e.V. und ist Initiator der Digital Future Conference 48forward.

Review overview
  • Miladin Mechenbier

    …alles gesagt – also ab in die Zukunft der Kommunikation!

  • http://maelroth.com Maël Roth

    Kann Dir da nur zustimmen. Das Böse erwachen nach der Party-Nacht. Schöner Beitrag :-)

  • Alfred Fuhr

    Hallo Herr Fürg, sehr guter Beitrag um das eigene Tun zu reflektieren. In teilnehmender Beobachtung stelle ich fest, dass es zu jeder Bewegung sofort eine Gegenbewegung gibt, so gibt es noch immer Pressesprecher Ausbildungen, obwohl die Presse nach digitalen Strukturen sucht und umgekehrt versuchen die Angehörigen der Generation Social Media nun Anschlußfähig an eine Entscheider Generation E- mail zu finden. Entsprechend betulich wird hier wechselseitig Neuland zu betreten. Dies drückt sich sowohl in der Sprache als auch in den verwendeten Bildern aus, die im Presseclub München oder hier bei uns in Frankfurt ausgetauscht werden, gelle? Bei der Verabschiedung von Absolventen werden Hard Core Anti -Social Media Reden von Politikern gehalten, die „aus eigener Erfahrung“ über die Unmöglichkkeit von Konsens und Transparenz sprechen. Und Sie vergeben Aufträge für Website ohne Antwortfunktion, sie selber „twittern natürlich“. Ach ja, Es lebe die Paradoxie.