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Beratung kämpft gegen Beratungsresistenz

Ich weiß ja nicht, wie es Euch geht, aber wenn ich in ein Flugzeug steige und heil ankomme, gehe ich in der Regel nicht auf den Piloten zu und gebe ihm Tipps, wie er den

Photodune / Ollyi

Ich weiß ja nicht, wie es Euch geht, aber wenn ich in ein Flugzeug steige und heil ankomme, gehe ich in der Regel nicht auf den Piloten zu und gebe ihm Tipps, wie er den Flug hätte besser gestalten können. Wenn ich mir bei meinem Friseur die Haare schneiden lasse, erkläre ich ihm auch nur selten, wie er die Schere richtig halten soll. Ich würde auch nicht auf die Idee kommen, einem Steuerberater zu erzählen, wie er seine Arbeit zu machen hat.

Wenn ich mir aber ansehe, wie viele Unternehmen mit externen Beratern für Kommunikation und Marketing umgehen, frage ich mich hin und wieder schon, ob diese bei den zuvor genannten Beispielen regelmäßig anders handeln, als ich es tun würde. Diese Unternehmen kaufen sich Berater für viel Geld ein, um ihnen zu sagen, wie sie die Ergebnisse ihrer Beratungsleistung inhaltlich aussehen sollten.

Vielleicht bin ich ja altmodisch, aber in meiner Vorstellung sollte das anders ablaufen. Wenn ich mir einen Berater für diese Themen einkaufe, lasse ich ihn beraten. Ich möchte hören, was er zu sagen hat, wie er mein Unternehmen aus externer Perspektive wahrnimmt, was er verbessern oder anders machen würde. Dafür zahle ich diesem Berater gerne ein ordentliche Honorar. Nicht aber dafür, dass er meine eigenen Ideen absegnet, dafür Geld verlangt und dann wieder weiter zieht.

Berater sollen beraten, sollen Ideen einbringen, neue Impulse schaffen, alte wieder aufleben lassen und einen Mehrwert stiften. Sie sollen den Kern der Leistung eines Unternehmens herausarbeiten und diesen auf das Schild schreiben, das der Unternehmer jeden Tag auf seiner stolzen Brust trägt. Was sie definitiv nicht machen sollen: Dem Kunden schmeicheln, indem sie dessen Ideen immer ganz toll finden, obwohl sie völliger Mist sind. Nach ausreichend Rückgrat hierfür muss man aber meist sowohl auf Kunden- als auch auf Beraterseite suchen.

Viele Personen auf Unternehmensseite können nur selten mit Kritik umgehen. Sie wissen, dass es vielleicht nicht ganz perfekt läuft oder haben zumindest festgestellt, dass es besser laufen könnte – deshalb holen sie sich externe Unterstützung an Bord. Für einen echten, vielleicht dringend notwendigen Wandel sind sie aber oftmals nicht bereit. Zu sehr sind ihre Methoden und Arbeitsweisen eingefahren, zu sehr sind sie von ihrer Vorstellung für die richtige Bearbeitung von Kommunikation und Marketing überzeugt.

Durch diese Zustände auf Unternehmensseite geht aber nicht nur unglaublich viel unternehmerisches Potenzial verloren. Durch diese Problematik wird auch der Ruf der Beraterbranche beschädigt. Berater, die nicht beraten, sondern nur durch Kopfnicken glänzen, erzielen keine Verbesserungen und dadurch auch keine messbaren Erfolge. Dadurch entsteht der fatale Eindruck, dass Berater generell nutzlos sind.

Echte Berater, also solche, die fachliches Know-How, Rückgrat und Durchsetzungsvermögen mitbringen, können einem Unternehmen sehr wohl einiges bringen. Sie reissen die Verantwortlichen aus ihrem Arbeitsalltag heraus, spiegeln ihre bisherige Arbeit aus der externen Sicht und können Fehler sehr viel besser analysieren als es ein interner Mitarbeiter kann. Sie bringen neue Impulse in Unternehmen, können zusätzliches Wissen vermitteln, Methoden etablieren und vieles mehr bewirken. Das funktioniert aber nur, wenn der jeweilige Berater tatsächlich beraten kann und darf.

Daniel Fürg absolvierte eine Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk und bildete sich an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing zum Kommunikationswirt fort. Er gründete verschiedene Onlinemedien, wie zum Beispiel MUNICH's BEST, 100SINS oder Social Secrets und arbeitete unter anderem für den Bayerischen Rundfunk, die Finanzsparte von Siemens, die Sana Kliniken AG und die MAROundPARTNER GmbH. Als Geschäftsführender Gesellschafter von Fürg Media berät er heute Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ganzheitlicher Kommunikationsstrategien. Daniel Fürg engagiert sich außerdem aktiv als Mitglied des Vorstands im Internationalen PresseClub München e.V. und ist Initiator der Digital Future Conference 48forward.

Review overview
  • http://blog.langer.eu/ Alexander Langer

    Berater werden allerdings häufig auch nur von Unternehmen eingestellt, weil sich die Geschäftsführung gegenüber ihren Gesellschaftern/Aktionären absichern möchte, vgl. z.B. http://www.gmbh-online.de/gmbh-news-aktuell/artikel/haftung-als-geschaeftsfuehrer-sorgfaltspflicht-gilt-auch-bei-unternehmerischen-entscheidungen/ — wenn man z.B. ständig Unternehmensberater mit an Bord hat, und diese – prima – den eingeschlagenen Kurs immer befürworten, kann die Geschäftsführung später nicht wg. mangelnder Sorgfaltspflicht in Haftung genommen werden.

  • http://www.delucks.com/ Sev

    True!

  • http://www.42medien.de ripanti

    So pauschal kann man das doch nicht sagen, oder? Es ist eben nur immer und immer wieder die große Herausforderung an uns Berater sich auf die Mandanten einzustellen und die richtigen Worte zu finden um unser Wissen in deren Unternehmen sinnvoll und an- und unterzubringen.

  • http://www.henningschuerig.de/ Henning

    Hoffentlich lesen das jetzt auch die, die gemeint sind. 😉