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Wie die Telekom mich als Kunden verlor und meine Daten verschenkte

Es war eines dieser Dinge, die sich eigentlich ganz einfach anhören, sich dann aber doch als weitaus schwieriger herausstellten. Ich bin seit über fünf Jahren guter Mobilfunk-Kunde bei der Deutschen Telekom und zahlte gerne die

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Es war eines dieser Dinge, die sich eigentlich ganz einfach anhören, sich dann aber doch als weitaus schwieriger herausstellten. Ich bin seit über fünf Jahren guter Mobilfunk-Kunde bei der Deutschen Telekom und zahlte gerne die überteuerten Tarife – mehr als 100 Euro im Monat – weil ich der Meinung war, dass ich dafür guten Service und eine bessere Netzverfügbarkeit bekomme. Bisher funktionierte das alles auch recht gut, doch vor drei Wochen begann ich wohl ein schwieriger Kunde zu werden. Da ich den Vertrag inzwischen fast nur noch geschäftlich nutze, wollte ich ihn auch direkt auf mein Unternehmen umschreiben, um mir unnötige Verrechnungsaufwände zu sparen. „Gar kein Problem. Lassen Sie uns kurz das dafür passende Formular ausfüllen und an die Zentrale faxen. In zwei bis drei Tagen erhalten Sie dann die Bestätigung per Post.“, meinte der Shop-Mitarbeiter und vollzog die logisch klingenden Schritte.

Das hörte sich genauso unkompliziert an, wie ich mir das vorgestellt habe. Kann ja auch nicht so schwer sein – der bisherige Vertragspartner bin ich, der künftige mein Unternehmen, vertreten durch mich als Geschäftsführer. Zuversichtlich wartete ich also auf die versprochene Bestätigung, doch auch zwei Wochen später traf diese nicht ein. Auf Nachfrage bei der Hotline wurde dann nachgeforscht und festgestellt, dass die Formulare nie angekommen sind – was komisch war, da ich die Fax-Sendebestätigung sogar mitbekommen hatte.

Es stellte sich heraus, dass der Shop-Mitarbeiter das Formular an die völlig falsche Faxnummer geschickt hat. Meine gesamten Daten und die von meinem Unternehmen – inklusive der Bankdaten und einem unterschriebenem SEPA-Mandat – wurden von der Deutschen Telekom also bereitwillig einem unbekannten Empfänger zur Verfügung gestellt. Da hat sich sicher jemand gefreut – ich mich nicht.

Nach regem Austausch mit dem Twitter-Kundenservice der Telekom und einem tatsächlich sehr nettem Telefonat mit einer kompetent wirkenden Dame vom Kundenservice, hatte man mich wieder ein wenig beruhigt. Ich war bereit, noch einen Versuch zu wagen statt den Vertrag sofort zu kündigen. Die Dame sendete mir ein neues Formular, da sie das des Shop-Mitarbeiters für falsch hielt. Ich füllte es aus, ging zum nächsten Telekom-Shop und ließ es per Fax an die Zentrale senden – dieses Mal sogar an die richtige Nummer.

Den ganzen Ärger hatte ich vergessen und freute mich, dass dieses Thema nun endlich erledigt sein dürfte. Doch da lag ich falsch – ganz falsch. Heute, eine halbe Woche später, erhielt ich eine E-Mail des Geschäftskundenservices der Deutschen Telekom – mit einem neuen Formular. Ich solle dies ausfüllen, in einen Shop gehen und es faxen lassen. Richtig, diese Geschichte kannte ich inzwischen. Aber noch einmal werde ich das nicht tun.

Die ersten beiden Versuche haben mich in Summe etwa 3,5 Stunden gekostet. Bei meinem regulären Stundensatz im Beratungsgeschäft sind das inzwischen über 500 Euro. Die Deutsche Telekom zahlt mir das nicht zurück. Nein, das macht sie nicht. Ganz im Gegenteil: Für die Vertragsübertragung möchte sie nun auch noch 19,95 Euro pro SIM-Karte – in Summe also knapp 60 Euro. Dass mir diese Kosten bisher alle Mitarbeiter in den Shops und an der Hotline verschwiegen haben, wirkt an der Stelle schon fast wie eine lächerliche Kleinigkeit.

Nein, liebe Deutsche Telekom, unsere jahrelange glückselige Beziehung, an der Du gut versient hast, wird nun ein Ende nehmen. Ich bin doch nicht blöd und lasse mich derart von Dir an der Nase herumführen. Der Vertrag wäre ohnehin zur Verlängerung angestanden und eigentlich wollte ich sogar ein Upgrade in den sogenannten Premium Tarif durchführen – günstige 149 Euro im Monat. Statt dem Upgrade wird es nun ein Downgrade, eine Kündigung geben. Danach hat nur noch der glückliche Empfänger des ersten Formulars eine Einzugsermächtigung von mir – bisher hat er diese nicht genutzt. Glück gehabt.

Daniel Fürg absolvierte eine Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk und bildete sich an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing zum Kommunikationswirt fort. Er gründete verschiedene Onlinemedien, wie zum Beispiel MUNICH's BEST, 100SINS oder Social Secrets und arbeitete unter anderem für den Bayerischen Rundfunk, die Finanzsparte von Siemens, die Sana Kliniken AG und die MAROundPARTNER GmbH. Als Geschäftsführender Gesellschafter von Fürg Media berät er heute Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ganzheitlicher Kommunikationsstrategien. Daniel Fürg engagiert sich außerdem aktiv als Mitglied des Vorstands im Internationalen PresseClub München e.V. und ist Initiator der Digital Future Conference 48forward.

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