Home / Meinungen  / Was digitale Kommunikation mit Grimms Märchen zu tun hat

Was digitale Kommunikation mit Grimms Märchen zu tun hat

So lange es Menschen gibt, die miteinander kommunizieren, gibt es Geschichten, eine unglaublich große Flut von Geschichten. Sie unterteilten sich schon immer in interessante und weniger interessante Geschichten, in solche, die man sich gemerkt hat

PhotoDune / Ollyi

So lange es Menschen gibt, die miteinander kommunizieren, gibt es Geschichten, eine unglaublich große Flut von Geschichten. Sie unterteilten sich schon immer in interessante und weniger interessante Geschichten, in solche, die man sich gemerkt hat und in solche, von denen man gelangweilt war. Was früher anders war: Eine einzelne Person hat längst nicht so viele Geschichten mitbekommen, wie sie es heute tut. Digitale Medien haben die gesamte Flut an Geschichten für jede einzelne Person zugänglich gemacht, die Filterung nach interessanten und uninteressanten Geschichten ist dadurch noch strenger geworden.

Was das Ganze mit Grimms Märchen zu tun hat? Nun ja, auch heute können wir alle uns noch sehr genau an „Hänsel und Gretel“ erinnern, wir kennen auch „Das tapfere Schneiderlein“, wissen bis heute sehr genau, wie es „Aschenputtel“ ergangen ist und können alle das Märchen von „Rotkäppchen“ nacherzählen. Warum das so ist? Die Geschichten wurden zeitlos und emotionsgeladen, leicht verständlich und einprägsam erzählt. Sie sind alle quasi makellos in ihrer Erzählweise und haben uns berührt. Aus diesen Gründen haben sich diese Märchen über all die vielen Jahrzehnte, ja sogar mehr als ein Jahrhundert in unser aller Köpfe eingeprägt. Und das bis heute – trotz all der Schnelllebigkeit und der immensen Flut an Geschichten, die alltäglich auf uns einprasseln.

Was wir daraus lernen können? Kommunikation in Form von Storytelling funktionierte schon immer nur dann, wenn es das Publikum, den Zuhörer oder Zuseher berührt und mitgerissen hat. Geschichten müssen emotionsgeladen sein und uns mitreissen, damit wir uns auch noch lange Zeit danach daran erinnern können. Sie müssen bildhaft erzählt werden, damit sich die passenden Bilder in unser Gedächtnis einbrennen können und dort lange verweilen. Wir werden nie vergessen, wie Schneewittchen und die sieben Zwerge unter der bösen Stiefmutter gelitten haben, weil wir alle mit diesen großartigen Charakteren mitgelitten haben. Wir werden nie den Moment vergessen, in dem Rotkäppchen vom bösen Wolf im Bett ihrer Großmutter überrascht wurde, weil wir uns in dem Moment alle mit ihr erschrocken haben. All diese Geschichten haben uns in ihren Sog gezogen, haben uns eintauchen und die reale Welt vergessen lassen.

In der Flut von Einflüssen, Nachrichten und Geschichten, mit denen wir jeden Tag umgehen müssen, wird gutes Storytelling immer wichtiger, wenn wir Menschen wirklich erreichen wollen. Der Begriff ist also keinesfalls ein Hype, sondern vielmehr die Erkenntnis, dass wir kommunikativ Großes leisten müssen, wenn wir wirklich etwas erreichen möchten. Viele der kommunikativen Methoden der vergangenen Jahrzehnte funktionieren heute nicht mehr, weil sie nicht mehr in der Lage sind, sich aus der Masse der Informationen abzuheben. Das hat gute und nachhaltige Kommunikation in den vergangenen zehn Jahren weitaus anspruchsvoller gemacht als je zuvor. Gleichzeitig bringen die quasi unbegrenzten Möglichkeiten der digitalen Medien großartige Potenziale mit sich – sowohl hinsichtlich der Form der möglichen Kommunikation als auch hinsichtlich der potenziell zu erreichenden Reichweite.

Daniel Fürg absolvierte eine Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk und bildete sich an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing zum Kommunikationswirt fort. Er gründete verschiedene Onlinemedien, wie zum Beispiel MUNICH's BEST, 100SINS oder Social Secrets und arbeitete unter anderem für den Bayerischen Rundfunk, die Finanzsparte von Siemens, die Sana Kliniken AG und die MAROundPARTNER GmbH. Als Geschäftsführender Gesellschafter von Fürg Media berät er heute Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ganzheitlicher Kommunikationsstrategien. Daniel Fürg engagiert sich außerdem aktiv als Mitglied des Vorstands im Internationalen PresseClub München e.V. und ist Initiator der Digital Future Conference 48forward.

Review overview