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Das Expertenproblem der Social-Media-Branche

Social Media gehören ja bekanntermaßen für viele immer noch zu den sogenannten neuen Medien. Man könnte demnach also annehmen, dass die Anzahl der Personen, die sich mit dieser neuen Technologie wirklich auskennen, weitestgehend begrenzt ist.

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Social Media gehören ja bekanntermaßen für viele immer noch zu den sogenannten neuen Medien. Man könnte demnach also annehmen, dass die Anzahl der Personen, die sich mit dieser neuen Technologie wirklich auskennen, weitestgehend begrenzt ist. Wenn man aber in die Welt der Social-Media-Manager und -Berater blickt, scheint deren Anzahl größer als die der Döner-Läden in einer Großstadt zu sein. Man hat den Eindruck, dass sich jeder, der einmal einen Facebook-Account für sich selbst und eine Facebook Page für seine Hauskatze Muschi aufgesetzt hat und sonst nichts besseres zu tun hat, zum Social-Media-Experten ernennt.

Wozu das führt? Zu einer ganzen Reihe höchst interessanter Phänomene, die man fast amüsant finden könnte, wenn ihre Auswirkungen nicht so dramatisch wären. Aber es ist natürlich verlockend: Wir befinden uns bei diesem Thema in einem Umfeld, zu dem die Budgetverantwortlichen in großen Unternehmen in Deutschland immer noch viel zu wenig Know How aufgebaut haben. Diese Verantwortlichen sehen die Situation selbst allerdings ganz anders und denken, dass sie großes Wissen in Sachen Social Media angehäuft hätten – schließlich sind Social Media ja auch nur eine Form der Kommunikation und das macht man ja schon seit 20 Jahren. In einem solchen Umfeld, in dem niemand fehlendes Wissen zugeben möchte und in dem zugleich niemand wirklich beurteilen kann, welche Aussagen und Thesen wirklich richtig sind, ist es natürlich leicht den großen Experten zu spielen – und als solcher anerkannt zu werden.

Während die Verantwortlichen in Unternehmen der Meinung sind, dass Social Media nur ganz normale Kommunikation ist, haben die selbsternannten Social-Media-Experten zumeist keinen blassen Schimmer von klassischer Kommunikation – und oftmals auch erschreckend wenig davon, was Social Media wirklich ist. Das wiederum führt entweder zu extremer Reibung zwischen beiden Seiten oder zur Bildung von Kommunikationsinseln, die dafür sorgen, dass die klassischen Kanäle völlig von den neuen, unkreativ bespielten Kanälen abgeschottet werden und auch die Kommunikationsstrategie dahinter zweigleisig fährt. Wobei es meist nur ein Gleis mit einem kurvigen Trampelpfad daneben ist – von einer Kommunikationsstrategie hat der Hobby-Experte natürlich noch nie etwas gehört.

Alles in allem führt das also dazu, dass es tatsächlich nur recht wenige echte Social-Media-Experten gibt. Diese sind in der Regel aber keine reinen Social-Media-Experten, sondern ganzheitliche Kommunikationsexperten, die verstehen, wie all die unterschiedlichen Kanäle zusammenhängen und miteinander funktionieren. Diese Experten wissen, wie sie Social Media in einen Kommunikationsmix integrieren und wichtige Verknüpfungen schaffen. Ohne diese Brücken zwischen den einzelnen Kanälen kann eine ganzheitliche Kommunikation nicht funktionieren – und ohne einen konsequent durchgezogenen holistischen Ansatz wird man niemals das volle Potenzial von Kommunikation ausschöpfen können. Von diesen Brückenbauern gibt es aber eben bedauerlicherweise nur sehr wenige.

Daniel Fürg absolvierte eine Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk und bildete sich an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing zum Kommunikationswirt fort. Er gründete verschiedene Onlinemedien, wie zum Beispiel MUNICH's BEST, 100SINS oder Social Secrets und arbeitete unter anderem für den Bayerischen Rundfunk, die Finanzsparte von Siemens, die Sana Kliniken AG und die MAROundPARTNER GmbH. Als Geschäftsführender Gesellschafter von Fürg Media berät er heute Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ganzheitlicher Kommunikationsstrategien. Daniel Fürg engagiert sich außerdem aktiv als Mitglied des Vorstands im Internationalen PresseClub München e.V. und ist Initiator der Digital Future Conference 48forward.

Review overview
  • http://lovable-marketing.com/ Maël Roth

    Ich bin der gleichen Meinung 😉 Aber ist der Beitrag nicht Inspiriert vom Artikel auf dem Content Marketing Institute…?

    • Daniel Fürg

      Den kannte ich ehrlich gesagt noch gar nicht – hatte den Artikel oben schon vergangene Woche fertig und für heute eingeplant. Aber schön zu sehen, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine bin :-)
      Wobei ich nach dem Lesen des Artikels des Content Marketing Institute sagen muss, dass meine Meinung einen deutlichen Schritt weiter geht. Ich sage, dass es keinen Social-Media-Experten in dem Sinen geben kann, wenn er nicht auch Kommunikationsprofi ist.

      • http://lovable-marketing.com/ Maël Roth

        Ach so okay ich dachte nur :-)

  • Thomas Klein

    Ich teile mein Leid mit Dir Daniel, auch ich muss diese Erfahrungen in meiner täglichen Arbeit machen. Guter Beitrag!

    Jetzt liegt es an uns Beratern, die Betreiber der Hauskatze-Muschi-Pages von dem ganzheitlichen Ansatz zu überzeugen, immer wieder in mühseliger Kleinarbeit unser Know-How zu transferieren. Voraussetzung: Wir erfahren die Bereitschaft und Akzeptanz sich damit auseinander zu setzen. Alle Anderen lassen wir erst einmal vor die Wand fahren und ihre Erfahrungen sammeln und kommen zu einem späteren Zeitpunkt darauf zu sprechen. 😉

  • Rabbell

    AMEN!!!

  • Jens Voshage

    Es ist doch schön, dass wir PR- und Kommunikationsleute die Probleme so wunderbar auf den Punkt beschreiben können. Ärgerlich ist nur, dass die Werbe- und Marketingmenschen sich einfach nicht um Probleme kümmern, sondern einfach machen. Und so wissen wir’s zwar besser – schauen aber hinterher.
    (vo)