Home / Meinungen  / Facebook und WhatsApp waren niemals Konkurrenten

Facebook und WhatsApp waren niemals Konkurrenten

Nach der Übernahme von WhatsApp durch Facebook liest man allerlei irrwitzige Aussagen. Viele davon sind vollkommen an den Haaren herbeigezogen, andere haben sich fälschlicherweise schon seit einiger Zeit etabliert. Da wird zum Beispiel behauptet, dass

Nach der Übernahme von WhatsApp durch Facebook liest man allerlei irrwitzige Aussagen. Viele davon sind vollkommen an den Haaren herbeigezogen, andere haben sich fälschlicherweise schon seit einiger Zeit etabliert. Da wird zum Beispiel behauptet, dass sich Facebook mit der Übernahme die Jugendlichen zurückholt und dass WhatsApp der größte Konkurrent des Social Networks war – alles Quatsch!

Facebook und WhatsApp waren nie Konkurrenten – warum auch? Das Social Network und die Messaging-App haben kaum Gemeinsamkeiten. Natürlich bietet auch Facebook Messaging-Funktionalitäten an und hat versucht diesen Bereich seit einiger Zeit auszubauen, aber für das Social Network ist das nur ein kleines Addon. WhatsApp könnte Facebook niemals ersetzen oder Konkurrenz machen und das wollten die Gründer des Messaging-Dienstes auch nie.

Das Geschäftsmodell von WhatsApp verfolgt die Vernetzung der Menschen mit purer, schnörkelloser Messaging-Funktionalität. Genau das ist die Kernkompetenz des Diensts – und auch das Erfolgsgeheimnis. Man hatte aber nie vor, ein Social Network zu ersetzen. Das hätte auch niemals funktionieren können.

Wer behauptet, dass WhatsApp der größte Konkurrent für Facebook ist oder war, der hat nicht verstanden, worum es bei den beiden Konzepten geht. Der jeweilige Kernfokus der beiden Unternehmen geht in zwei ganz unterschiedliche Richtungen mit der Antwort auf völlig verschiedene Anwendungsfälle und Bedürfnisse. Was beide gemein haben: Sie wollen die Welt miteinander vernetzen und sind auf diesem Weg schon sehr gut vorangeschritten. Diese Gemeinsamkeit ist auch der Grund für die Übernahme durch Facebook.

Mark Zuckerberg holt sich damit einen starken Partner für seine Vision einer vernetzten Welt ins Team. Einen Partner, der diese Vision vom Grundgedanken her ganz ähnlich formuliert und sie mit vergleichbarem Nachdruck verfolgt. Gleichzeitig könnte Facebook von der Herangehensweise des WhatsApp-Teams profitieren, von dem Grundgedanken der Reduktion auf das Wesentliche.

Wer jetzt übrigens denkt, dass sich WhatsApp an den Teufel verkauft hat, liegt völlig falsch und fällt auf populistische Meinungsmache herein. Ein Grund für die Entscheidung an Facebook zu verkaufen – natürlich neben dem unglaublichen finanziellen Faktor – war sicherlich auch die Tatsache, dass der Messaging-Dienst dadurch von der deutlich ausgefeilteren Infrastruktur des Social Networks profitieren kann. Hinter WhatsApp steckt nach wie vor ein sehr kleines Team von nicht mehr als 50 Köpfen. Datenschutzskandale und Sicherheitslücken haben in der vergangenen Zeit immer wieder gezeigt, dass man einige Fehler im System hat – so geht es aber vielen Diensten, die mit einer derartigen Geschwindigkeit wachsen. Durch die Übernahme von Facebook kann man auf Erfahrungswerte bei der Skalierung des Dienstes zurückgreifen. Man kann auch in Sachen Datenschutz und -sicherheit nachbessern – hier liegt Facebook weit vor der Messaging-App. Wer also denkt, dass es fortan mit dem Datenschutz bei WhatsApp bergab geht, irrt sich gewaltig, denn Facebook ist in dieser Sache deutlich besser aufgestellt.

Ich freue mich auf jeden Fall darauf, was die gegenseitige Befruchtung bei der innovativer Unternehmen bewirken wird. Das kann für beide Seiten eine große Chance sein. WhatsApp wird dabei ähnlich wie Instagram als eigenständiger Dienst im Facebook-Kosmos leben – weitestgehend losgelöst vom Social Network selbst. Das hat schon mit dem Foto-Netzwerk sehr gut funktioniert und könnte in diesem Fall sogar noch besser klappen.

Daniel Fürg absolvierte eine Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk und bildete sich an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing zum Kommunikationswirt fort. Er gründete verschiedene Onlinemedien, wie zum Beispiel MUNICH's BEST, 100SINS oder Social Secrets und arbeitete unter anderem für den Bayerischen Rundfunk, die Finanzsparte von Siemens, die Sana Kliniken AG und die MAROundPARTNER GmbH. Als Geschäftsführender Gesellschafter von Fürg Media berät er heute Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ganzheitlicher Kommunikationsstrategien. Daniel Fürg engagiert sich außerdem aktiv als Mitglied des Vorstands im Internationalen PresseClub München e.V. und ist Initiator der Digital Future Conference 48forward.

Review overview
  • hpdirty

    Totaler Unsinn, was der Herr da schreibt!

    • Daniel Fürg

      Sie dürfen gerne Ihre Meinung äußern – vielleicht haben Sie dazu ja noch etwas mehr zu sagen 😉

      • hpdirty

        FB hat 1.2 Milliarden Mitglieder und weiter wachsend. Social Network Nr.1 und einen eigenen starken Messenger! Wieso sollte FB 19 Milliarden Dollar für WhatsApp ausgeben, wenn es da nicht einen sehr, sehr starken strategischen Nutzen gäbe!? Es war Fakt, dass FB ein Problem mit der Abwanderung von Jugendlichen hatte. Ein großes Problem! WhatsApp auf der anderen Seite hat MOnat für Monat eine Million neue Nutzer bekommen. Ganz ohne Aufwand und Marketing. WhatsApp hat sich zu einem ernst zu nehmenden Konkurrenten zu FB aufgebaut! Ein Konkurrent, der FB sehr gefährlich hätte werden können. Und auch schon wurde, sieht man sich Statistiken zur Chat-Nutzung in div. Ländern an. Da gibts eine schöne Grafik. Bitte googeln!

        • Daniel Fürg

          Und genau das ist der große Denkfehler, den die meisten bei der Betrachtung von Facebook und WhatsApp machen.
          Die Messenger-Funktionalität bei Facebook war immer nur funktionales Zubrot, nie Hauptzweck des Social Networks. Bei WhatsApp stand Messaging schon immer im Fokus – ausschließlich und in seiner absoluten Reinheit.
          Man mag sich einreden, dass Facebook ein Problem mit den Jugendlichen hat/hatte. Aber es gib inzwischen auch genügend anders lautende Studien, die zeigen, dass die Interaktion der Jugendlichen auf Facebook sogar stark zugenommen hat. Und auf die Interaktion kommt es wirklich an, die ist weitaus wichtiger als die quantitative Gesamtzahl.
          Es mag sein, dass die kommunikativen Funktionen, die Facebook bietet für den ein oder anderen Jugendlichen noch zu mächtig sind, er sich deshalb auf die simplen Funktionen von Snapchat und WhatsApp besinnt – also den reinen Austausch von Informationen und Bildern mit einer selbst gewählten, sehr begrenzten Empfängerwahl. Aber nur weil es einige Jugendliche gibt, die Facebook erst später nutzen, heißt das noch lange nicht, dass Facebook ein Problem hat.
          Weil Facebook genau das erkannt hat, wurde übrigens auch der Messenger zur Verwendung ohne Facebook-Account ausgebaut. Um einen Kommunikationskanal für diejenigen zu schaffen, die Facebook noch nicht nutzen, weil sie den gesamten Funktionsumfang aufgrund ihres Alters noch nicht benötigen bzw. den Sinn dahinter teilweise noch nicht verstehen. Mit dem Zukauf von WhatsApp hat man dieses Angebot nun erweitert.
          Aber nochmal: Messaging ist sozusagen ein Zusatzangebot von Facebook – nicht das Kernkonzept eines Social Networks. Das ist so wie die Sitzheizung bei einem Auto – ein Autobauer ist noch lange kein Konkurrent für einen Heizungsbauer nur weil er eine Sitzheizung verbaut. Facebook könnte theoretisch auch ohne Messaging sehr gut funktionieren.
          Deshalb ist WhatsApp definitiv nie eine Konkurrenz für Facebook gewesen – befriedigt andere Bedürfnisse als die Kernkompetenz und Kernvision von Facebook.

          • hpdirty

            Das sehe ich und mit mir sehr viele IT-Blogger anders!

          • Daniel Fürg

            Es geht dabei aber nicht um IT, sondern um Kommunikation 😉

          • hpdirty

            Jetzt driftest du aber schon ein wenig ins Korrinthen-Kacken ab!? IT: Informationstechnik!! Bitte.. gern geschehen. Vielleicht solltest Du mal etwas visionärer denken. Was wäre wohl, wenn WhatsApp irgendwann 1 Milliarde oder mehr Nutzer gehabt hätte? Und sich dann evtl. die Firmenphilosophie geändert hätte? Wenn sich WhatsApp zu einem Social Network ausgebaut hätte, oder einfach immer mehr Nutzer von FB abgewandert wären, weil ihnen eine einfache Kommunikation mit WA reicht! Oder z.B. Google WhatsApp aufgekauft hätte! Komm schon….etwas Selbstkritik der eigenen Meinung hat noch niemanden geschadet :-)

          • Daniel Fürg

            😉 Da geht es nicht um Selbstkritik, sondern um zwei grundlegend verschiedene Geschäftsmodelle, die absolut nichts miteinander zu tun haben, hier aber ständig miteinander vermischt werden. Niemand wandert von Facebook zu WhatsApp ab oder umgekehrt – das ist an den Haaren herbeigezogen. Es gibt hier kein „Facebook oder WhatsApp“ darum geht es nicht.

          • hpdirty

            Ok, noch ein Versuch, Dir deinen Denkfehler aufzuzeigen. Du drehst dich ständig um eine Aussage: FB und WA haben unterschiedliche Geschäftsmodelle und waren somit auch keine Konkurrenten. Und das ist falsch! Jeder Nutzer, der FB links liegen lässt und sich mit WA mit Freunden unterhält, fehlt bei FB als Nutzer und somit als potentieller Kunde für Werbung! Viele nutzen WhatsApp, weil es einfacher und simpler ist und es für eine einfache Kommunikation ausreicht. Ohne WhatsApp wären viele davon auf der Seite von Facebook! Facebook ist AUCH eine Kommunikationsplattform, und steht somit in DIREKTER Konkurrenz zu WhatsApp! Das ist doch unbestreitbar!? Du versuchst zwanghaft, die beiden rigoros zu trennen und jede Gemeinsamkeit zu leugnen! Darf ich Dir auch mal ein bildliches Beispiel aufzeigen? Man nehme so unterschiedliche Firmen mit oberflächlich so unterschiedlichen Geschäftsmodellen wie: Fluggesellschaften, Fernbusse, Automobilindustrie und Bahn/Schienenverkehr! Oberflächlich betrachtet, komplett unterschiedliche Modelle, jeder mit seinem eigenen Kundenkreis! ABER: Alle Unternehmen bieten eine ähnliche Dienstleistung: Personentransport. Ich als potentieller Kunde kann mich nun entscheiden: Kaufe ich mir ein Auto, leihe ich mir ein Auto, fahre ich mit dem Bus, oder dem Zug oder fliege ich zu meinem Ziel. Somit sind die von mir genannten Unternehmen, trotz ihrer so unterschiedlichen Produkte DIREKTE Konkurrenten! Falls Du jetzt immer noch auf deiner Meinung beharrst, sollten wir uns besser mal auf ein Bier treffen. Wohne in München :-)

  • Thomas D.

    Bei Spielen konkurrieren sie nicht, das ist wahr – bei der Kommunikation aber sehr wohl, denn letztendlich geht es darum, Informationen an einen definierten Freundeskreis zu verteilen oder diese zu empfangen und die wenigsten User werden immer alles über FB, G+, Twitter oder eben WA parallel und redundant posten.

    FB ist zudem zu unübersichtlich geworden. Nicht unbedingt die Usability, aber in der Adressaten-Einschränkung. Mag sein, dass es Listen gibt, die man beschicken kann, aber was passiert, wenn da jemand meinen Post liked, shared oder sonstiges? FB wird (trotz entsprechender Möglichkeiten) „Broadcast“ genutzt, während WA eher auf eingeschränkte Nutzerkreise ausgerichtet ist. Da inzwischen selbst die Eltern-Generation mehrere hundert „Freunde“ hat, steigt zudem die Hemmschwelle beim Nachrichtenversand, da halt vieles nicht für alle relevant ist (z.B. lokale Gerüchte).

    Fazit:
    Jede Nachricht, die über WA raus geht, muss nicht mehr über FB gepostet werden. FB hat dadurch weniger Aktivität und es lohnt sich auch weniger hier aktiv zu sein, denn die „wirklich heißen“ News gehen halt über WA.