Home / Meinungen  / Das unterschätzte Potenzial von Twitter

Das unterschätzte Potenzial von Twitter

Nach der Präsentation der Quartalszahlen musste Twitter in der vergangenen Woche stark leiden. Der Aktienkurs des Kurznachrichtendienstes stürzte von einem bisher bemerkenswerten Hoch in den Keller und das Ansehen des Unternehmens unter Analysten nahm sichtbaren

Nach der Präsentation der Quartalszahlen musste Twitter in der vergangenen Woche stark leiden. Der Aktienkurs des Kurznachrichtendienstes stürzte von einem bisher bemerkenswerten Hoch in den Keller und das Ansehen des Unternehmens unter Analysten nahm sichtbaren Schaden. Doch sieht es für Twitter wirklich so schlecht aus? War es wirklich vermessen, nach dem Börsengang daran zu glauben, dass sich der Dienst auch wirtschaftlich gut entwickeln würde? Nein, so schlimm ist es nicht und Twitter hat nach wie vor ein unglaublich unterschätztes Potenzial.

Für viele Nutzer ist Twitter längst zu einem überaus wichtigen Nachrichtenkanal geworden. Das Netzwerk lebt von seiner unglaublichen Geschwindigkeit und der Möglichkeit, einzelne Inhalte aufgrund ihrer Kürze von 140 Zeichen schnell zu erfassen. Und genau diese Punkte unterscheiden Twitter auch von allen anderen sozialen Netzwerken: Geschwindigkeit und die Komprimierung von Information.

Aus diesem Grund wäre es auch der falsche Schritt, sich von der 140-Zeichen-Limitierung zu verabschieden oder gar darüber nachzudenken, die Darstellung der Tweets im Allgemeinen zu überarbeiten. Twitter ist gut so wie es ist und lebt letztlich auch davon. Nicht zu verachten ist dabei auch die mobilen Aspekte: Twitter lässt sich auch bei schlechter Datenverbindung meist noch nutzen, da nur geringe Daten übertragen werden müssen – Facebook & Co. machen hier deutlich schneller schlapp. Außerdem sind mobile Geräte meist nicht für große Mengen von Informationen geeignet – Tweets sind hier optimal, weil sie kurz und kompakt sind.

Mit anderen Worten: Twitter ist der perfekte Kanal für kompakte, schnell zu verteilende und erfassbare öffentliche Informationen. Diese Informationen lassen sich durch Hashtags auch wunderbar filtern und durchsuchen, was vor allem bei wichtigen Themen mit großer Resonanz Sinn macht – man denke hier nur an #Aufschrei oder auch den arabischen Frühling zurück. Letztere Bewegung zeigte auch, dass sich über Twitter Informationen auch in größter Not unkompliziert teilen lassen – der Aufwand einen Tweet zu schreiben, ist gering und so auch unter Zeitdruck und in widrigen Umständen möglich. Nicht vergessen sollte man hierbei auch die Sache mit der Anonymität. Während Facebook und Google+ die Verwendung von Klarnamen erfordern, kann man sich auf Twitter auch anonym äussern. Gerade in Ländern, in denen Meinungsfreiheit und Demokratie nicht allzu verbreitet sind, macht das einen großen Unterschied. Das ermöglicht eine offene und ehrliche Kommunikation, die wiederum dabei helfen kann, für mehr Meinungsfreiheit zu kämpfen.

Soweit so gut. Doch kann Twitter mit all diesen Vorteilen auch Geld verdienen? Kann es wirtschaftlich erfolgreich sein? Ja, das kann es und das kann man auch aus den zuletzt veröffentlichten Quartalszahlen herauslesen: Der Umsatz von Twitter stieg im Vergleich zum Vorjahr um 110 Prozent an und das ist vor allem stark gestiegenen Werbeeinnahmen zu verdanken. Dass dieser Umsatzzuwachs durch einen starken Verlust überschattet wurde, ist ein anderes Thema, das vor allem durch Aufwände zu begründen ist, die durch den Börsengang entstanden sind. Entwickelt sich der Umsatz weiterhin positiv, werden viele Analysten bei den nächsten Quartalszahlen eine große Überraschung erleben.

Doch wie ist das jetzt mit den Nutzerzuwächsen? Auch hier wurde Twitter im Rahmen der Quartalszahlen kritisiert. Geht es nach der Meinung der Analysten, wächst der Kurznachrichtendienst zu langsam. Hier darf man aber nicht vergessen, dass Twitter – im Gegensatz zu Facebook – nicht für alle Internetnutzer geeignet ist. Twitter ist nicht der Dienst, den jeder nutzen möchte und nutzen wird. Aus diesem Grund wird der Dienst auch nie Umsatzzuwächse verzeichnen können, die man mit Google+ oder Facebook vergleichen könnte. Solange der Dienst aber ein gesundes Wachstum verzeichnet, ist alles in Ordnung – und das war bisher auch der Fall.

Es ist also längst nicht alles so schlecht bei Twitter, wie in der vergangenen Woche berichtet wurde. Der Kurznachrichtendienst hat ein großes Potenzial, das weiterhin stark unterschätzt wird. Die nächsten Quartalszahlen werden hier aber sicher ein deutlich anderes Bild zeichnen und nicht zuletzt auch die Analysten überzeugen. Man darf also weiterhin gespannt sein.

 

Daniel Fürg absolvierte eine Ausbildung beim Bayerischen Rundfunk und bildete sich an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing zum Kommunikationswirt fort. Er gründete verschiedene Onlinemedien, wie zum Beispiel MUNICH's BEST, 100SINS oder Social Secrets und arbeitete unter anderem für den Bayerischen Rundfunk, die Finanzsparte von Siemens, die Sana Kliniken AG und die MAROundPARTNER GmbH. Als Geschäftsführender Gesellschafter von Fürg Media berät er heute Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung ganzheitlicher Kommunikationsstrategien. Daniel Fürg engagiert sich außerdem aktiv als Mitglied des Vorstands im Internationalen PresseClub München e.V. und ist Initiator der Digital Future Conference 48forward.

Review overview